Gene

Beginnen wir mit ein paar spannenden Zahlen und (niedlichen) Details.


Unser Körper besteht aus unfassbar vielen Zellen, ca. 50 Billionen. Jede einzelne dieser Zellen trägt unser Erbgut in sich, die Gene. Nach derzeitigem Kenntnisstand haben wir ca. 25.000 Gene. Nagetiere verfügen über eine ähnliche Anzahl Gene, zahlenmäßig werden sowohl die Mümmler, als auch wir von der Banane aus dem genetischen Rennen geworfen; diese hat ca. 34.000 Gene. Körperzelle ist nicht gleich Körperzelle, wir haben ca. 300 Arten spezialisierte Zellen ins uns. Die größte ist die Eizelle. Am empfindlichsten sind Gehirn- und Herzzellen. Eine Leberzelle dagegen ist schon etwas robuster, aber natürlich nicht unkaputtbar. Genetisch betrachtet gibt es zwischen uns Menschen weitaus mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes, die genetischen Unterschiede zwischen den einzelnen Menschen liegen bei maximal 0,17 %. Nichtafrikaner tragen bis heute im Durchschnitt ca. 2 % Neandertaler-DNA in sich.


In der Evolution kann es wild zugehen. Gene machen keinen Halt vor Artengrenzen, bzw. haben die einzelnen Spezies gelegentlich wenig Hemmungen sich fremder Gene zu bedienen. Ca. 145 unserer Gene stammen ursprünglich u.a. von Pflanzen, Bakterien und Pilzen. Unsere Mitochondrien zum Beispiel, die Kraftwerke der Zellen, waren einst Bakterien, vermutlich Rickettsien. Symbiose ist jedoch keine einseitige Piraterie, sondern bedeutet, dass beide Seiten profitieren. Im Falle der Mitochondrien, fanden diese in unseren Zellen quasi ein „All-Inklusiv-Paket“, von welchem sie partizipieren. Einige Gene, die sie zuvor als selbstständige Bakterien brauchten, wurden überflüssig, andere wanderten in unsere Zellkerne aus.


Ein intaktes Immunsystem ist kein sehr freundlicher Gastgeber für Fremdes. Warum werden also die künftigen Erdenbürger nicht während der Schwangerschaft vom mütterlichen Immunsystem angegriffen? Immerhin stammen die Hälfte seiner oder ihrer Chromosomen vom Vater. Dies haben wir, so las ich, vermutlich einem Virus zu verdanken, den sich unsere Vorfahren in grauester Vorzeit vor über 35 Millionen Jahren einfingen. Gene dieses Virus sorgen dafür, dass in der Plazenta zwei Proteine hergestellt werden. Aus vielen Einzelzellen erzeugen sie dort riesige zusammengeschlossene Zellen, die eine stabile Firewall bilden und so den Embryo, bzw. Fötus abschirmen. Außerdem sagt man diesen Proteinen nach, dass sie das mütterliche Immunsystem hemmen.


Gene sind Möglichkeiten. Frau und Mann bringen mit jedem einzelnen Gameten, also Eizelle oder Spermium, ca. 8 Billionen mögliche genetische Konstellationen mit. Pro befruchteter Eizelle ergeben sich also unglaubliche 64 Billionen unterscheidbare mögliche Kombinationen. Vielleicht erinnern Sie sich an den Biologieunterricht? Ein Klostergarten, Erbsen und Gregor Mendel. Es gibt bestimmte Kriterien der Vererbung. Unglaublich faszinierend, nicht nur an dieser Stelle, ist die Epigenetik. Dieser Zweig der Wissenschaft geht davon aus, dass die DNA in den Genen zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht vollständig festgelegt ist. Gene können durch Umwelteinflüsse wie Ernährung, Gefühle oder auch Stress verändert werden, dabei wird jedoch die grundsätzliche Zusammensetzung nicht neu geordnet. Diese Veränderungen wiederum, können vererbt werden. Ergibt der genetische Code beim ungeborenen Baby, dass es ein Rotschopf wird, kann die Epigenetik via Regulationsproteine an den „Einstellknöpfen“ drehen. So wird zum Beispiel die Schattierung des Rottons beeinflusst, die Intensität der Farbe, die Helligkeit usw.


Viren sind biologisch betrachtet keine Lebewesen. Im Grunde sind sie winzig kleine biologische Dinger mit Erbinformation in einer Proteinhülle. Um sich zu vermehren, benötigen sie eine Wirtszelle, deren DNA sie so umschreiben, dass die Zelle fortan Viren wie am Fließband produziert. Ziemlich raffiniert. Nach genetischen Maßstäben gehen Viren beim Kopieren ihres Erbgutes nicht besonders exakt vor. Außerdem reißen sie sich alles an Genen unter den Nagel, was sie kriegen können; so entstehen Mutationen. Eine mit dem Grippevirus infizierte Wirtszelle produziert in etwa 1.000 bis 10.000 Nachkommen. Nicht jede Mutation ist ein voller Erfolg, aber da an dieser Stelle eher auf Masse statt Klasse gesetzt wird, ist nach dem Gesetz der großen Zahl auch mal was wirklich Gutes dabei, aus der Sicht des Virus. Und die Moral von der Geschichte: weniger Liebe zum Detail kann durchaus ein evolutionärer Vorteil sein!


Und Apropos Virus: neulich las ich etwas, über das ich schmunzeln musste. Prinzessin Rapunzel, also die, die ihr langes Haar hinunterließ , lebte einst im Königreich Corona …und wenn sie nicht gestorben ist, dann lebt sie dort noch heute.

#itsawildworld#wearefamily


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